Donnerstag, 16. Oktober 2008
Kastanie
An vollen Büschelzweigen
An vollen Büschelzweigen,
Geliebte, sieh nur hin!
Laß dir die Früchte zeigen,
Umschalet stachlig grün.
Sie hängen längst geballet,
Still, unbekannt mit sich;
Ein Ast, der schaukelnd wallet
Wiegt sich geduldiglich.
Doch immer ruft von innen
Und schwillt der braune Kern:
Er möchte Luft gewinnen
Und säh die Sonne gern.
Die Schale platzt, und wieder
Macht er sich freudig los:
So fallen meine Lieder
gehäuft in deinen Schoß.
(Johann Wolfgang von Goethe, Gedicht im Buch Suleika 1815)

Nur du, edle Kastanie, schenkst genug dem Bauern, der nichts hat als die Sonne.
Aus Italien
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